
Der Computer - das Sprachlabor unserer Zeit?
Die Einstellungen der Lehrkräfte gegenüber dem Computer
gehen weit auseinander. Das Spektrum reicht von euphorischer Bejahung,
Pragmatismus über Misstrauen bis zur irrationalen Mystifizierung
des Computers als einer Art "Teufelsmaschine".
In der Argumentation der Skeptiker taucht oft der Vergleich des Computers
mit dem Sprachlabor auf. An die pädagogische Wirkung von Sprachlaboren
beim Fremdsprachenerwerb wurden in den 60er und 70er Jahren grosse
Erwartungen geknüpft. Die theoretische Grundlage dafür war
der Behaviorismus, der das Lernen als planmässige Konditionierung
verstand.
Viele Schulen installierten mit hohem finanziellen Aufwand Sprachlabore.
Die Erwartungen wurden jedoch im Grossen und Ganzen enttäuscht
und bald blieben die Sprachlabore vielerorts ungenutzt.
Vor allem KollegInnen die diesen Flop selbst miterlebt haben, erwarten
für den Computer manchmal dasselbe Schicksal: Viel Lärm
(bzw. Geld) um Nichts (oder zumindest wenig).
Was ging schief?
Um herauszufinden ob diese Gefahr auch für den Einsatz des
Computers im Unterricht besteht, müsste das Scheitern der Sprachlabore
bestätigt und nach den Ursachen gesucht werden. Eine kurze
Recherche im Internet und fachspezifischen Foren bescheinigt zwar,
dass Sprachlabore oft als Misserfolg gesehen werden, zeichnet jedoch
was die Ursachen angeht ein differenzierteres Bild mit mehreren
Ursachen - Bereichen: Da ist von "mangelnder Akzeptanz"
seitens der Lehrkräfte die Rede, oder "mangelnder Lehrerausbildung".
Für andere scheiterte das Sprachlabor "..da...die Technik
schon bald defekt bzw. völlig überholt war und natürlich
kein Geld für Reparaturen vorhanden war." Schliesslich
wird als Ursache des Scheiterns auch ein mangelhaftes didaktisches
Konzept gesehen, welches "heute naiv anmutet".
Ich bin der Ansicht, dass diese Schilderungen genau die Knackpunkte
eines erfolgreichen ICT - Einsatzes aufzeigen:
- Der Einsatz des Computers muss pädagogisch fundiert sein.
- Die Ausbildung und Akzeptanz der Lehrkräfte ist entscheidend.
- Die Funktionsfähigkeit der Geräte muss gewährleistet
sein.
- Die Lehrkräfte müssen auf technischen UND
pädagogischen Support zurückgreifen können.
Es wird klar, dass es nicht genügt Computer in den Klassenzimmern
zu installieren und zu vernetzen. Die technische Grundlage ist lediglich
der erste Schritt. Wenn die Computer nicht das Schicksal der Sprachlabore
teilen sollen, müssen die Lehrkräfte beim Einsatz unterstützt
werden.
Der Computer hat einiges mit dem Sprachlabor gemeinsam. Beides
sind techniklastige Medien von denen der Reiz des Neuen ausgeht.
Beide Medien sind relativ teuer in der Anschaffung und erfordern
Fachkenntnisse in der Bedienung.
Es gibt jedoch auch gravierende Unterschiede: Im Gegensatz zum
Sprachlabor ist der Computer ein Teil der Alltagswelt. Im Gegensatz
zum Sprachlabor hat er die Arbeitswelt stark beeinflusst und ist
aus ihr nicht mehr wegzudenken. In der Vernetzung mit dem Internet
ist der Computer das vielfältigste Werkzeug geworden das der
Mensch bislang erschaffen hat.
Es fragt sich, ob diese Tatsache nicht allein schon Grund genug
ist, sich mit dem Computer auch in der Schule zu beschäftigen.
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